Susanne Wenger Foundation
Ein Geheimtipp auf der Kunstmeile KremsSusanne Wenger Foundation
Ein Geheimtipp auf der Kunstmeile Krems
Sie gilt als Wegbereiterin des Surrealismus im Nachkriegsösterreich. In Nigeria wird sie als Hohepriesterin verehrt. Sucht man nach der international gefragten Susanne Wenger, wird man auf der Kunstmeile Krems fündig. In unmittelbarer Nähe zur Landesgalerie Niederösterreich und der Kunsthalle Krems hat seit 2011 die Susanne Wenger Foundation ihren Sitz. Die Stiftung bündelt alle Fäden des Wenger’schen Lebenswerks.
Hier blättern Martha Denk und Isabella Zieritz durch den druckfrischen Katalog der Londoner Tate Modern. Denn erst unlängst wurden einige Leihgaben aus Krems nach London gebracht. Wengers Arbeiten beeindrucken in der Ausstellung „Nigerian Modernism“. Das Organisationsteam, bestehend aus Martha Denk, Isabella Zieritz und Moussa Kone, bringt allen Interessierten das Leben und Werk der vielseitigen Künstlerin näher. Der Vorstand der Stiftung, unterstützt und gefördert vom Land Niederösterreich, verwaltet das Ouevre von Susanne Wenger.
Vom Art Club Wien zur Batik
Nach und nach begann sich Wenger im Nachkriegsösterreich zu etablieren. Als Gründungsmitglied des Art Club Wien stand sie im engen Austausch mit Künstlerkolleginnen wie Maria Biljan-Bilger. Durch Stipendien in der Schweiz und Paris war sie gut vernetzt – unter anderem mit Pablo Picasso und Paul Klee.
Was heute auf der Biennale und in der Tate Modern gezeigt wird, ist vor allem ihre Batikkunst. Die Technik der Adire- und Wachsbatik lernte sie in Nigeria kennen. Ursprünglich wanderte sie 1949 nach Afrika aus, weil ihr damaliger Mann Ulli Beier, als Sprachwissenschaftler, eine Stelle an der Universität Ibadan annahm. Der Alltag der weißen Expats in der britischen Kolonie behagte Wenger nicht. Sie wollte raus auf das Land, hinein in die Realität Nigerias. „Wie unglaublich mutig ist es, alleine auf Entdeckungsreise zu gehen! Wie kaum eine andere Europäerin hat sie die Kultur und die Religion der Yoruba in Nigeria kennengelernt“, schwärmt Martha Denk. Sie führt persönlich durch die Räumlichkeiten der Stiftung und weiß zu jeder Arbeit ein Zitat oder eine Anekdote, war sie doch mit Wenger gut bekannt.
Dass ich den Fluss und den Hain verteidigt und beschützt habe, das macht das Leben sinnvoll.
Das Lebenswerk in Krems entdecken
Auch ihr Gesamtwerk wollte die Künstlerin in einem geschützten Rahmen wissen. Durch zahlreiche Ausstellungen kamen viele ihrer Arbeiten nach Österreich. Susanne Wenger war Mitbegründerin der Stiftung, die ihre Arbeit öffentlich zugänglich machen sollte.
Speziell zu Krems hat Susanne Wenger eine enge Beziehung. In ihren naturbezogenen Arbeiten spielen Flüsse, etwa der Osun-Fluss, eine bedeutende Rolle. Und auch die Donau sei ihr wichtig gewesen, betont Martha Denk. Sie und ihr Mann Wolfgang Denk, der als erster Direktor die Kunsthalle Krems aufgebaut hat, waren Wengers Ankerpunkte in der alten Heimat. Bei ihnen wohnte sie, wenn sie ab ihrem 70. Geburtstag und ihrer ersten großen retrospektiven Ausstellung 1985 vermehrt in Österreich war. Nun sorgt die Susanne Wenger Foundation dafür, das Wengers Kunstwerke in Krems bewahrt werden und in einer Dauerausstellung sichtbar sind. In Nigeria kümmert sich der Adunni Olorisha Trust-Adunni Osun Foundation um die Erhaltung der Kunstwerke des New Sacred Art Movement im Heiligen Hain. Die Stiftung in Krems ist offen für Besucherinnen und Besucher und auch für alle, die forschen und recherchieren wollen.