Greta Schödl
Spuren meines Lebens
23.05.2026 – 08.11.2026
Greta Schödl (*1929) zählt zu den bemerkenswerten Stimmen der „Visuellen Poesie“. Mit ihrer markanten Handschrift überzieht die Künstlerin verschiedenste Materialien mit Wörtern und Zeichen. In akribischer Wiederholung verwandelt sie Wörter in ornamentale Muster zwischen Schriftbild und Abstraktion. Es entfalten sich rhythmische, meditative Bildstrukturen von zeitloser Gültigkeit.
DIE KRAFT DER VISUELLEN POESIE
Greta Schödl entwickelt seit den 1960er-Jahren eine eigenständige visuelle Sprache, in der Schrift die zentrale Rolle spielt. Seit ihrer vielbeachteten Teilnahme an der Biennale in Venedig 2024 rückt das Werk der Künstlerin verstärkt ins öffentliche Interesse.
Schödl nutzt alte Buchseiten, handgeschöpftes Papier, Leinwand, Holz, Stein und auch gebrauchte Alltagsobjekte wie Geschirrtuch, Bettwäsche oder Bügelbrett als Träger ihrer sprachlichen Verdichtung. Häufig dient ihr der Eigenname des jeweiligen Materials als Ausgangspunkt: So überzieht sie beispielsweise einen Marmorblock mit dem italienischen Wort „marmo“ (Marmor). Sie setzt das Wort in strenger Linearität von links nach rechts auf die Oberfläche. In einer fast meditativen Wiederholung schreibt sie Buchstaben und Zeichen so lange, bis sie ihre semantische Lesbarkeit verlieren und sich in rhythmische Bildstrukturen verwandeln. Schrift erscheint bei Schödl als Material, als Spur und als Rhythmus – als etwas, das weniger gelesen als vielmehr betrachtet wird.
Feine goldene Akzente, die Schödl gerne in die offenen Stellen von Vokalen setzt, rhythmisieren das Schriftgewebe und laden es optisch auf. Auch ihren eigenen Körper begreift sie als Quelle von Zeichen: Daumenabdrücke, Handlinien, der Abdruck von Brust oder Lippen – all dies wird bei der Künstlerin zu Schriftzeichen.
ERSTE MUSEUMSAUSSTELLUNG IN ÖSTERREICH
Mit ihrem Oeuvre überschreitet Schödl die Grenzen zwischen Poesie, Malerei und Konzeptkunst. 2026 feiert die Künstlerin in der Landesgalerie Niederösterreich ihre erste Museumsausstellung in Österreich. Die Schau verfolgt anhand von rund 150 Werken Schödls künstlerische Entwicklung von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart.
Aufgewachsen in Hollabrunn, zieht Schödl Ende der 1950er-Jahre nach Bologna und macht Italien bis heute zu ihrem Lebensmittelpunkt. Nach ihrem Studium in der Textilklasse an der Akademie für angewandte Kunst in Wien entstehen bei Schödl zunächst abstrakte Blätter, auf denen feinfühlig geführte Linien das zentrale Gestaltungselement bilden. Danach entwickelt sie in Bologna eine eigenständige Verbindung von Schrift und Bild und etabliert sich als bedeutende Vertreterin der visuellen Poesie. Sie ist u. a. bei der Biennale in Venedig (1978, 2024) und der Biennale in Sao Paulo in Brasilien (1981) vertreten.
Mein Werk speist sich vollständig aus dem Fluss des Lebens – es ist ein unendlicher Gedankenstrom. Ich bleibe immer dieselbe, doch die Erfahrungen, die ich mache, hinterlassen ständig neue Spuren. Meine Arbeiten sind Spuren meines gelebten Lebens.
Performance und Grafik
Die Ausstellung versammelt sämtliche Hauptgruppen ihres Oeuvres. Dazu zählen die Grafikserien „Schwingungsfelder“ aus den 1980er-Jahren oder „Vibrationi“ aus den 1970ern, in denen sie unsichtbare energetische Kreisläufe sichtbar macht. Präsentiert werden Zeichnungen, Malerei, vielfältige Arbeiten auf Papier, verschiedene skulpturale Objekte, Marmorsteine sowie Performance-Fotografien. In ihrer Performance „Tubo“ zieht Schödl mit einer übergroßen Kartonrolle durch Bologna. Diese Aktion kann als kraftvoller Akt der Selbstbehauptung verstanden werden. Die umfangreiche, sehr persönliche Grafikserie der „Traumbilder“ wird in der Landesgalerie erstmalig öffentlich gezeigt.
Kurator:innen: Gerda Ridler und Berthold Ecker